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Kunstprojekt - Wandteppich der Frauen

Begonnen hat dieses interaktive Kunstwerk mit Hilfe vieler Frauen, die mit Materialspenden, Recherchen und unzähligen Arbeitsstunden ihre Kreativität zum Ausdruck gebracht haben.

Jede flinke Hand und jedes betrachtende Auge ist willkommen, sei es regelmäßig, gelegentlich oder einmalig.

Die erste Basisgruppe, die seit 2002 den Kern der Stickstube bildete, ist ein kleiner Kreis historisch und spirituell forschender Frauen, teilweise aus dem Vogelsberg und Fuldaer Land, teilweise bundesweit.

Die Grundidee basiert auf den bildreichen Wandteppichen unserer Ahninnen, die Sticktechnik auf den textilen Epen des fr√ľhen Mittelalters. Zu den Bildmotiven kann jede Mitarbeiterin ihre eigenen Gedankenbilder hinzuf√ľgen, mit eigenen Entw√ľrfen oder kreativer Unterst√ľtzung.

Die Arbeit an dem ersten fertigen Teilst√ľck wurde 2005 beendet, andere Teilst√ľcke befinden sich in halbfertigem Zustand und harren auf flei√üige H√§nde, die daran weiter arbeiten wollen.

Durch den Fortgang von Frau Eule, deren treibende Kraft ma√ügeblich an der Durchf√ľhrung von Arbeitstreffen beteiligt war, lag das Teppichprojekt einige Jahre brach und braucht nun ein neues Kernteam, um wieder aktiv zu werden.

Alle Frauen, die an der Arbeit mitgewirkt haben, stickten (wenn sie wollten) zuerst ihren Namen in den ‚ÄěRoten Faden“. Einige dieser Frauen haben ihre k√∂rperliche Existenz bereits hinter sich gelassen, doch ihre Namen und ihr Werk leben auf dem Teppich weiter.

 

Wandteppich

 


Folgenden Text hat die Basisgruppe gemeinsam mit Grau Eule und Freya erstellt

Im Laufe des Winters 2002 entstand während unserer historischen Treffen die Idee, ein Gemeinschaftsprojekt als verbindendes Symbol, als Zentrum unserer Treffen, zu schaffen. Nachdem wir lange schon die Handwerkskunst und das Design des Teppich von Bayeux bewunderten, stand schnell fest: etwas in dieser Art sollte es sein. Wir trugen alle wichtigen Informationen zu Material und Darstellung zusammen:

Bestehend aus zusammengen√§hten Leinenbahnen und mit farbenpr√§chtigen Wollgarnen bestickt - ca. 50 cm hoch und 78 m lang - erz√§hlt er in 58 Bildtafeln die Geschichte der Eroberung Englands durch Herzog Wilhelm - also eine Geschichte von Mord und Totschlag, den typischen ‚Äěheroischen“ Heldentaten der dokumentierten Geschichtsschreibung.

Auf dem Bayeux-Teppich sind abgebildet: 37 Festungsbauten, 41 Schiffe, 202 Pferde/Maultiere, 55 Hunde, 505 Tiere aller Art und 626 Menschen...... Menschen? Nein, M√§nner – ganze drei (!) Frauen sind zu sehen. Kein Wunder also, wenn das englische Wort f√ľr Geschichte HIS-story und nicht HER-story hei√üt!

Um dem Ungleichgewicht in der Darstellung abzuhelfen, erarbeiteten wir in den ersten zwei Jahren folgendes Konzept f√ľr unser gro√ües Werk:

  • Wir erz√§hlen die Geschichte von Frauen, unseren Ahninnen. Eine Geschichte, die durch gezielte Zensur-Aktionen verschleiert wurde und daher nicht mehr komplett wissenschaftlich belegbar ist. Doch wir tragen unsere Tr√§ume und Erinnerungen zusammen und formen sichtbare Bilder daraus. Alles wiederholt sich.
     
  • Wir lehnen den Stil des Teppichs an das Format und die Arbeitstechnik des Bayeux-Teppichs an, um die Verbindung als Gegenpol herzustellen. Als angestrebte Endgr√∂√üe wollen wir uns nicht an metrischen Zielen orientieren, sondern an zyklischen: 13 Leinenbahnen sollen bestickt werden, ohne dass es ein Anfangs- oder Endmotiv gibt. Mittelpunkt ist der Lebensbaum, die Weltenesche Yggdrasil, mit dem wir die Stickerei begonnen haben.
     
  • Unser Teppich soll inhaltlich an dem Zyklus Geburt-Leben-Tod entlang ranken, an dem wir als Frauen ma√ügeblich beteiligt sind. Da es kein Anfang und kein Ende gibt, sollen sich die Bahnen eines Tages zum Kreis schlie√üen: wir k√∂nnten ihn zum Beispiel an der Innenwand eines runden Turmes aufh√§ngen oder um den Stamm eines sehr dicken Baumes.
     
  • Unsere Darstellungen sollen umfassen: mythische Figuren, Tiere, Pflanzen, Steine und nat√ľrlich uns selbst oder unsere Ahninnen – dargestellt in unseren stets wiederkehrenden Lebensstadien, die sich in symbolhafte Bilder kleiden lassen.
     
  • Darstellungen von M√§nnern sollen nicht ausgeklammert werden. Sie werden von Frauen geboren, geliebt, geheilt und begleitet. M√§nner sind Teil unseres Lebens, aber nicht Lebensinhalt. Wenn ein Mann in ehrlicher Motivation mitsticken m√∂chte, und alle anwesenden Frauen einverstanden sind, soll es ihm gestattet sein.
     
  • Wir sticken daran immer in Gesellschaft – w√§hrend √∂ffentlicher Veranstaltungen oder bei privaten Treffen. Und wir laden weibliche Passantinnen dazu ein, uns beim Sticken zu helfen.
     
  • Wir arbeiten Schritt f√ľr Schritt gemeinsam am Design. Jede Stickerin kann eigene Bilder und Inhalte beisteuern, die ihr am Herzen liegen. So wird unser Teppich ein St√ľck lebendige Geschichte. Es geht nicht darum, den Teppich m√∂glichst schnell fertig zu stellen, sondern um die gemeinsame Arbeit daran.
     
  • Der Wandteppich soll in den Entstehungsstadien sichtbar sein. Wir sammeln Bilder und Geschichten, um sp√§ter eine Dokumentation zusammenstellen zu k√∂nnen.

Der Teppich geh√∂rt sich selbst, er ist nicht verk√§uflich. Wir sehen uns als Hebammen, H√ľterinnen und Pflegerinnen des Werkes in der Hoffnung, dass m√∂glichst viele Frauen an ihm arbeiten und ihn betrachten k√∂nnen. Wenn er eines Tages fertig ist, soll er in √∂ffentlich zug√§nglichen R√§umen h√§ngen.

 

 Kontakt:

Als Koordinatorin verwaltet und lagert Jutta Richter (Atelier Verdande) Material und alle Teile des Wandteppichs.

Email:

info@kulturgeister.de (wir leiten Ihre Anfrage weiter)