KultUrGeister
KultUrGeister
» Home » Der Dachverband » Interviews » Interview mit Philip Carr Gomm

Der Dachverband - Interviews

Interview mit Philip Carr-Gomm

gewÀhltes Oberhaupt der Order of Bards, Ovates and Druids (OBOD)

Philip Carr-GommDie Druiden waren sowohl Magier und Dichter, als auch Ratsmitglieder, Heiler, Schamanen und Philosophen. In frĂŒherer vorkeltischer Zeit, errichteten sie Steinkreise und verehrten die Natur mit ihren vielen Facetten. SpĂ€ter verwoben die Kelten diese inspirierende Esoterik mit ihrer eigenen aufblĂŒhenden Kultur und ihren Weisheitstraditionen. So entstand das Druidentum, wie es von den antiken Griechen und Römern beschrieben wurde.

Das Druidentum konnte durch seine Arbeit an den Bardenschulen und durch die Volkstraditionen in Irland, Schottland, Wales, England und der Bretagne weiterleben, obwohl es vom aufkommenden Christentum unterdrĂŒckt wurde. Im 18. Jahrhundert fand eine Renaissance des Druidentums statt, die bis heute andauert. Die "Order of Bards Ovates and Druids", die ihren Ursprung auf das Jahr 1717 zurĂŒckfĂŒhren kann, widmet sich der Vermittlung der Druidentraditionen auf eine Weise, die den AnsprĂŒchen der heutigen Zeit gerecht wird, und zugleich fest in dem traditionellen Erbe unserer Vorfahren verwurzelt ist.

Philip Carr-Gomm ist der momentane gewĂ€hlte 'Chief' (Oberhaupt) des OBOD. Im Mai 2008 war er auf Tour in Deutschland und hat im Keltendorf in SĂŒnna dieses Interview gegeben.

Wie begann alles? Wurdest du in eine heidnische Familie geboren?

Meine Familie war agnostisch, ich wurde also in eine Umgebung ohne Religion geboren. Mein Vater verlegte aber ein historisches Magazin, durch das er in Kontakt war mit vielen interessanten Menschen wie Christmas Humhreys, dem Vorsitzenden der 'Buddhist Society' (Buddhistische Gesellschaft) in London, oder Leuten die sich fĂŒr die Rosenkreuzer interessierten und dergleichen mehr. Dadurch war ich stĂ€ndig von interessanten Menschen umgeben und interessanten BĂŒchern. Außerdem war er war auch ein Freund des ehemaligen Druidenoberhaupts Ross Nichols, so habe ich diesen auch getroffen. Als ich elf Jahre alt war tat ich nĂ€mlich genau das was du jetzt auch tust. Ich interviewte ihn (Ross Nichols) zusammen mit einem Freund von mir, weil wir an einem kleinen Magazin arbeiteten. Wir interviewten ihn ĂŒber das Druidentum und ĂŒber Stonehenge. Ich werde mich immer an dieses Treffen in seinem Haus in London erinnern. Und dann, als ich 15 oder 16 war begann ich mit ihm das Druidentum zu studieren. Und so begann es dann.

Hat Dich Dein Weg direkt zum Druidentum gefĂŒhrt?

Meinen ersten „Augenöffner“ hatte ich mit 11, als ich ein Buch mit dem Titel “Das Leben des Buddha” von L. Adams Beck las. Es war ein sehr lyrisches Buch, und das war irgendwie der Anfang von allem. Die nĂ€chsten Jahre habe ich dann viel gelesen ĂŒber Buddhismus und Theosophie. Zu der Zeit hatte ich auch Kontakt gefunden zu jemandem, der spĂ€ter mein druidischer Lehrer werden sollte. Mit ihm habe ich dann bis zu seinem Tode im Jahre 1975 gelernt. Das war auch ungefĂ€hr der Zeitpunkt als ich einen Bulgarischen Guru namens Omraam Mikhael Aivanhov kennen lernte, dessen Weg ich eine Weile mitging. Am Ende jedoch fand ich das zu einschrĂ€nkend und es war auch sehr dualistisch, auch wenn da viele Aspekte in seinen Lehren waren, die mir gut gefielen. Es war eine Art von allgemeinem Lernen, esoterische SpiritualitĂ€t in der westlichen Tradition, daher war es schon hilfreich.

Dann aber beschloss ich, Psychologie zu studieren und sehr bodenstĂ€ndig und praktisch zu denken. Ich interessierte mich fĂŒr die Psychoanalyse nach Jung, daher unterzog ich mich einer Jung’schen Übungsanalyse und danach einer Schulung in Psychosynthese, einer spirituellen bzw. transpersonalen Psychologie. Zu diesem Zeitpunkt trat dann auch das Ereignis ein, das mein Leben sehr formte, als ich Nuinn, meinen Druidenlehrer, traf (das war sein magischer Name. Sein Alltagsname war Ross Nichols). Er erschien mir 9 Jahre nach seinem Tod in 1984, wĂ€hrend ich gerade noch Psychologie studierte, und dieses Treffen Ă€nderte wirklich mein gesamtes Leben; ab diesem Moment beschĂ€ftigte ich mich ernsthaft mit dem Druidentum.

Du hast also tatsÀchlich schon in Deinen Teenagerjahren mit dem Druidentum begonnen, richtig?

Ja, das stimmt.

Und wie kamst Du dann zum OBOD?

Das geschah durch Ross Nichols, der in London ein College leitete an dem mein Vater lehrte. Er war daher praktisch ein Freund der Familie und alles passierte ganz einfach und natĂŒrlich.

Und wie war Dein erster Eindruck von Ross Nichols?

Als wir zu ihm kamen, sah ich einen alten Mann in einer dunklen Studierstube, die voll gestopft war mit BĂŒchern und GegenstĂ€nden. Er war mir nah und vertraut, so ungefĂ€hr wie ein Onkel, fast ein Teil der Familie, aber trotzdem war da eine gewisse Distanz. Er war immer recht förmlich im Umgang mit mir, denn er war von der alten Schule und die hatte eine gewisse FormalitĂ€t. Und er lehrte mich wie ein Lehrer es tat. Ich ging zweimal die Woche zu ihm, nach der Schule. Er öffnete die TĂŒr, sagte „Hallo“, setzte Tee fĂŒr mich auf und gab mir ein belegtes Brot oder Kekse. Dann ging er zu einem großen Schrank und holte eine Lektion hervor, ungefĂ€hr so wie die Gwersu (OBOD Unterrichtseinheiten). Sie stapelten sich nur so in diesem Schrank. Dann setzte er sich mir gegenĂŒber und las sie laut vor. An einem bestimmten Punkt hörte er auf und fing an, zu erklĂ€ren. Er sagte dann „verstehst du, es ist so...” und dann zeichnete er manchmal eine Grafik auf ein StĂŒck Papier, oder Symbole oder irgendwas anderes – diese Zeichnungen habe ich heute noch. And dann kam er zum Ende und wollte wissen, ob ich Fragen hĂ€tte. Damals war ich wie ein Schwamm, ich saugte einfach alles auf. Ich hörte ihm viele Jahre lang so zu.

Was ist Dir am OBOD wichtig, was hat Dich damals zum Orden gezogen?

Der OBOD hat einen ganz besonderen Stammbaum, ungefĂ€hr so wie manche heidnischen Traditionen, die auch eine bestimmte Abstammung haben, im Sinne eines Auftrags. Der Stammbaum des OBOD ist schwerpunktmĂ€ĂŸig auf das Druidentum ausgerichtet, und Ross Nichols trug dazu im Besonderen bei durch seine Entwicklung der acht Zeremonien des Jahreslaufs, viele Inhalte zur Baumkunde und eine Ausrichtung auf keltische Mythen. Aber obwohl der Orden auf das Druidentum ausgerichtet ist, so möchte er doch auch die Erkenntnisse anderer Traditionen mit einzubringen. Die bisherigen OberhĂ€upter des Ordens waren alle auf ihre Art Querdenker gewesen; damit meine ich, dass sie recht exzentrisch waren. Sie waren politisch alle dem linken FlĂŒgel zugehörig und machten sich Gedanken um soziale Gerechtigkeit und Gleichheit und Finanzreform. Das ehemalige Oberhaupt MacGregor-Reid entwickelte z.B. den von ihm so genannten “Simplizismus (Simplicitarianism)” – das ist ein kompliziertes Wort fĂŒr “das einfache Leben”, die NĂ€he zur Natur, etc. Ich bin stolz auf diesen Stammbaum, ich fĂŒhle mich wohl damit. Auch wenn ich andere AnsĂ€tze im Druidentum schĂ€tze, wie z.B. den keltischen Rekonstruktionismus, gefĂ€llt mir dieser Ansatz am Besten, eben weil er so breit angelegt ist.


Was ist eigentlich Deine Rolle in der Gemeinschaft der Druiden?

Ich glaube weil ich Ross Nichols kannte, und weil ich dieses beeindruckende Erlebnis mit ihm nach seinem Tod hatte – und in der Folge noch viele andere Erlebnisse – ich glaube deshalb fĂŒhlt sich der OBOD fĂŒr mich an wie etwas was man im Okkultismus einen „Orden im Kontakt“ nennt. Das heißt soviel wie dass wir „verbunden sind“, dass es eine Verbindung gibt mit der anderen Welt. Es ist nicht so, dass wir einfach “beschlossen” hĂ€tten, eine Gruppe zu bilden – die Gruppe ist tatsĂ€chlich “in Kontakt”, in Kontakt mit den inneren Welten. Und ich sehe meine Rolle als Übermittler eines besonderen VerstĂ€ndnisses von Druidentum, einem das es fĂŒr das 21ste Jahrhundert wichtig macht. Denn das Druidentum hat natĂŒrlich das gleiche Problem vieler anderer spiritueller Wege, nĂ€mlich das es feststecken könnte, feststecken an verschiedenen Stufen seiner historischen Entwicklung. Es kann z.B. im “Revivalism”, der Erweckungsbewegung des 18ten Jahrhunderts stecken bleiben, als es den Freimaurern sehr Ă€hnlich war, oder im „Reconstructionism”, einem Versuch der historisch korrekten Wiedergabe der Vergangenheit, oder in einer Art Hippie-Rebellion der 60er, usw. usw. Deshalb braucht das Druidentum wie jede spirituelle Bewegung Menschen die es kontinuierlich neu interpretieren. Dabei ist es nicht so dass jemand kommt und sagte, das ist jetzt die endgĂŒltige Version. Ich glaube nicht, dass ich eine endgĂŒltige Version im Sinne von “Ach, so sollte das Druidentum also sein, Philip hat gesagt, so sollte es sein.“ Das ist es ĂŒberhaupt nicht.

Ich glaube dass es vieler Menschen braucht, die es jeder auf seine eigene Art und Weise ĂŒbermitteln. Was ich im Besonderen dazu beitragen kann ist wahrscheinlich meine Erkenntnisse aus der Psychologie, mein Wissen um Psychosynthese und Jung’sche Psychologie, dergleichen. Auch wenn ich diesen Titel des „Oberhauptes“ erhalten habe, so versuche ich doch ihn möglichst wenig zu benutzen, denn ich finde es ist gerade so wichtig am Druidentum dass es nicht hierarchisch ist und dass es darum geht, jeden Einzelnen zu befĂ€higen, und nicht bestimmte Leite ĂŒber andere zu stellen. Genau genommen sehe ich die Posten im Orden, auch solche wie den Redakteur des “Touchstone” (Mitgliederzeitung des OBOD, Anm. d. Üb.) oder den Koordinator der Tutoren, eigentlich eher als “Unterbau”. Wir haben eine unterstĂŒtzende Funktion inne; unsere Aufgabe ist es, anderen Leuten zu helfen. Also stehen wir nicht ĂŒber ihnen; wenn ĂŒberhaupt, stehen wir unter ihnen.

Wie kam es, dass Du zu solch einer öffentlichen Person wurdest, und inwieweit hat es Dich verÀndert?

Das mit dem in der Öffentlichkeit stehen, na ja, es ist halt eine kleine Welt. Wenn Du also Teil dieser Welt bist und dann siehst Du jemanden wie mich, in meiner Position, der ein paar BĂŒcher geschrieben hat und dessen Bild auf einigen Websites ist, dann kann einem das schon ziemlich öffentlich vorkommen. Aber es ist halt wirklich eine kleine Welt und da gibt es noch viele andere Bereiche und andere spirituelle Bewegungen, die aus hunderttausenden von Menschen bestehen, wĂ€hrend das Druidentum ja wirklich sehr klein ist. Daher sehe ich das nicht wirklich als einen hohen Bekanntheitsgrad in dem Sinne. Außerdem, wenn man etwas lange Jahre gemacht hat, so wie ich das hier seit 20 Jahren mache, und die Entwicklung ist langsam und schrittweise, dann passiert das halt auch nicht ĂŒber Nacht. Es kommt langsam auf Dich zu und Du hast Zeit, dich darauf einzustellen. Ich glaube auch dass es sehr gut ist wenn man eine Familie hat, eine LebensgefĂ€hrtin und Kinder. Wenn dann doch einmal die Gefahr bestehen sollte, dass mir das alles zu Kopfe steigt, dann holen meine Frau und meine Kinder mich ganz schnell wieder runter.


Das bringt uns zur nÀchsten Frage: Hast Du Kinder und wachsen diese mit dem Druidentum auf?

Ich denke dass es sehr wichtig ist, dass unsere Kinder unsere SpiritualitĂ€t kennen und wir mit ihnen darĂŒber reden, sie einbinden soweit sie das möchten, aber ihnen gleichzeitig alle Freiheit zu geben. Sie alle respektieren das, sie sind alle auf die eine oder andere Weise darin involviert oder waren es, aber im Moment legen sie mehr Wert darauf, in die Welt hinaus zu gehen und sich selbst dort zu beweisen. Meine Töchter aber lieben es zum Beispiel, zu den Druidencamps zu gehen, und all die Dinge wie Meditation, Respekt fĂŒr die Erde und dergleichen fĂ€llt ihnen einfach leicht, denn es ist nichts was sie erst lernen mussten. Unsere Generation musste es erst finden, aber diese junge Generation lebt es einfach und es ist fĂŒr sie das Normalste ĂŒberhaupt. Daher haben sie es einfach akzeptiert, es ist fĂŒr sie nichts Ungewöhnliches.


Was heißt es ĂŒberhaupt, in der heutigen industrialisierten Gesellschaft das Druidentum zu leben?

Seltsamerweise denke ich dass es in unserer Welt noch viel wichtiger ist als in der Vergangenheit, denn wir sind an einem wirklich sehr kritischen Punkt in der Geschichte der Menschheit angekommen. Daher ist es umso wichtiger, diesen Weg zu gehen. Die Frage, die wir uns vielleicht stellen sollten, ist wie wir es tun sollen. Das ist eine sehr wichtige Frage. Und die Antwort ist umfangreich. Es ist „so kannst Du es machen...” – und dann wird ein ganzes Buch daraus.


Wie hat sich das Druidentum entwickelt seit Du damit angefangen hast?

Als ich im Orden anfing war er sehr klein, so ungefĂ€hr ein paar Dutzend Leute, zum grĂ¶ĂŸten Teil alte Leute, ziemlich alt. Als wir mit dem Fernstudienkurs begannen kamen immer mehr Leute dazu und plötzlich begann das Druidentum sehr schnell zu wachsen und viele BĂŒcher wurden darĂŒber veröffentlicht. Vor dem Jahr 1988 war es z.B. ein Problem, ĂŒberhaupt ein Buch ĂŒber das Druidentum zu finden. Als wir dann in die 90er Jahre kamen, war das Problem eher, welches Buch man denn nun lesen sollte, denn da waren so furchtbar viele zur Auswahl. Die Situation hatte sich total gewandelt. Wenn man objektive Kriterien anlegen will, so kann man das Wachstum des Druidentums in den letzten Jahren ganz einfach an der Statistik dieser Veröffentlichungen ablesen.

In dieser Zeit entwickelte sich das Druidentum. Das spirituelle Druidentum tendierte frĂŒher dazu, sich nur in einem logen-Ă€hnlichen, westlich-okkulten und sehr förmlichen Umfeld zu bewegen; ĂŒber die Jahre aber hat es sich zu einer dynamischen NaturspiritualitĂ€t entwickelt. NatĂŒrlich haben wir im Orden die Grade und Einweihungen und Zeremonien, die dem ganzen eine ziemlich förmliche Struktur geben, aber wir haben auch das monatliche „Touchstone“ Magazin, das ziemlich informell ist, und unser Forum, das auch sehr informell ist, also haben wir hoffentlich eine gute Mischung beider Aspekte erreicht.

Was denkst du, wie sich das Druidentum in Deutschland zurzeit entwickelt?

DarĂŒber weiß ich wirklich nicht viel. Ich weiß nur wie es beim OBOD lĂ€uft. Als wir den Barden-Kurs ins Deutsche ĂŒbersetzt bekamen, war das eine sehr große Hilfe. Nach und nach wurden dann immer mehr BĂŒcher auf Deutsch veröffentlicht, was auch geholfen hat. Aber von dem, was ich in den letzten 10 Tagen hier erleben durfte, hat es das schöne GefĂŒhl von etwas, was gerade am Anfang seines Wachstums steht, so ein FrĂŒhlingsgefĂŒhl; das ist gut.


Was fĂŒr eine Zukunft siehst Du voraus fĂŒr das Druidentum und auch fĂŒr den OBOD?

Ich glaube das Druidentum wird weiterhin wachsen, vor allem weil wir die VerĂ€nderungen in unserer Umwelt wahrnehmen. In den nĂ€chsten Jahren wird die Welt sich verĂ€ndern, sie muss sich grundlegend Ă€ndern, und mehr und mehr Leute werden sich der Umweltproblematik bewusst werden und diese in Bezug bringen wollen zu ihren spirituellen BedĂŒrfnissen und ihrer Suche nach dem Sinn. Irgendwann in der Vergangenheit wurde die Suche nach dem Sinn von der Umweltproblematik getrennt, aber jetzt kommen sie wieder zusammen.

Im OBOD bin ich immer wieder erstaunt, was fĂŒr hoch interessante Leute sich zu uns hingezogen fĂŒhlen. So viele Individualisten und kreative Leute. Etwas worauf wir besonderen Wert legen ist es, die Leute dazu zu befĂ€higen, kreativ zu sein, deshalb haben wir auch keine Hierarchie oder eine feste Struktur mit Regeln und Vorgaben. Der ganze Orden ist auf die eine Frage ausgerichtet: „Wie können wir den Menschen dabei helfen, ihr eigenes Lied zu singen?“ Und das zieht kreative Leute an, Leute die ihren eigenen Weg gehen, sich auf ihre eigene Art und Weise ausdrĂŒcken, statt sich in Reih und Glied einzuordnen. Deswegen glaube ich, dass die Zukunft fĂŒr das Druidentum und den OBOD gut aussieht.


Was sind die grĂ¶ĂŸten Vorteile des Lebens als Druide, und was ist mit den Verantwortlichkeiten?

Ich denke einer der grĂ¶ĂŸten Vorteile ist, dass man beginnt, sich mit dem Fluss des Lebens verbunden zu fĂŒhlen, und mit den mĂ€chtigen KrĂ€ften von Awen und Nwyfre. Dadurch verspĂŒrt man ein Vielfaches an Inspiration und auch viel mehr Lebenskraft. Die Verantwortlichkeiten, die dazugehören, ist vor allem die Tatsache dass es schwerer ist, un-bewusst zu sein. Bei dem Stress, dem wir in der heutigen Welt ausgesetzt sind, wĂŒnschen sich manche, un-bewusst sein zu können. Aber je weiter du voranschreitest, desto schwerer wird es, den Weg des Un-Bewusstseins zu gehen.


Was ist Dein Lieblingsbuch ĂŒber das Druidentum?

Zur Zeit ist es das Buch “Die Druiden (The Druids)” von Ronald Hutton, aber ich glaube nicht, das ich wirklich ein Lieblingsbuch in dem Sinne habe – sie sind alle so unterschiedlich und bieten eine Vielfalt an Inspiration und Information.

Welche Deiner eigenen Publikationen magst Du eigentlich am meisten?

"Der Weg des Druiden", denn es ist die Geschichte einer Wanderung die ich unternommen habe, und die von der Anderswelt inspiriert wurde. Der Verleger wollte eigentlich, dass ich ein ganz anderes Buch schreibe. Aber jedes Buch bringt ein Geschenk; jedes Mal wenn ich ein Buch schreibe erhalte ich ein Geschenk von ihm. Das Geschenk, das mir dieses Buch machte, war das GefĂŒhl des nach-Hause-kommens auf dem Land und wo ich wohnte. Ich hatte 35 Jahre lang in London gelebt und dann kam ich in dieses Dorf in Sussex, wo ich mich nicht so ganz zu Hause fĂŒhlte. Dann machte ich diese Wanderung und danach fĂŒhlte ich mich so richtig verwurzelt und zu hause – das war das Geschenk, das mir dieses Buch gemacht hat.


Hast Du ein Lieblingsbuch ĂŒber heidnische Themen?

"Pilgrim at Tinker Creek (Der Pilger am Tinker Fluß)" von Annie Dillard, ein Buch ĂŒber das Leben in der Natur. Der letzte Roman, den ich gelesen habe, war „Time and Light (Zeit und Licht)" von L. R. Fredericks, aber das ist noch gar nicht veröffentlicht. Wird es aber bald sein, glaube ich. Es ist ein wunderbares, außergewöhnliches, magisches Buch.

Du hast auch ein Buch ĂŒber Druidcraft geschrieben, die von Dir entwickelte Symbiose aus Wicca und dem Druidentum. Wie wĂŒrdest Du Druidcraft beschreiben?

Druidcraft nimmt die Gedanken und Vorstellungen aus dem Druidentum und aus Wicca; es ist einfach eine Art, auf den “Alten Pfaden” zu wandern. In der Vergangenheit brauchte man keine Bezeichnungen wie Wicca oder Druidentum, es war einfach der „Alte Pfad“, der einfache Weg der Natur. Besonders in der Mitte des 20sten Jahrhunderts aber haben sich Druidentum und Wicca durch zwei Menschen, die sich kannten, weiter entwickelt – das waren Gerald Gardner und Ross Nichols. Irgendwie kann man sie als die zwei Seiten einer MĂŒnze betrachten: zum einen ist jede fĂŒr sich einzigartig, individuell und separat – was sie beide sein können und dementsprechend auch praktiziert werden; oder man kann sie kombinieren und als miteinander vereinbar ansehen, die miteinander kombiniert werden können.


Gibt es in Druidcraft so etwas wie ein BOS?

Nein, denn jeder Mensch erschafft sein eigenes.

Was denkst Du ĂŒber den Wert von Initiation?

Die wichtigsten Initiationen im Leben sind die Geburt und der Tod. Ich denke dass der bedeutsamste Ansatz, Initiationen zu betrachten, einer ist der weniger die “gestalteten” Initiationen innerhalb bestimmter Systeme oder Traditionen betrachtet, sondern der eine Initiation als einen Prozess erkennt, durch den man eine neue Stufe in seinem Leben erreicht. Das kann natĂŒrlich durch ein Ritual oder eine bestimmte Erfahrung unterstĂŒtzt werden.

Und dann gibt es die große Diskussion ob Initiationen denn eigenmĂ€chtig erhalten werden können, oder ob sie dir jemand erteilen muss, und wenn ja, ob dieser einen bestimmten Stammbaum haben muss, welche Art von Erlaubnis er dafĂŒr hat und so weiter. Ich glaube, es ist nicht nötig, von jemand bestimmten in eine bestimmte Abstammung hinein initiiert zu werden. Ich glaube, dass jeder von uns in seinem Leben eine bedeutsame Initiation erhalten kann, als Endergebnis einer selbst unternommenen Reise. Eine Initiation kann von einem Menschen erteilt werden, oder auch von einer Erfahrung, die in Dir einen Prozess auslöst. Selbst ein Buch, ein einziger Satz in einem Buch, kann einen Prozess auslösen, der sehr tief greifend sein kann.

Sobald wir anfangen, uns selbst zu beschrĂ€nken, dogmatisch zu werden und zu sagen, das kannst Du nur so machen, dann haben wir ein Problem. NatĂŒrlich kann eine Initiation in eine Abstammung, in eine Tradition oder ein System sehr bedeutsam sein – aber das kann eine persönliche Initiation auch. Nur weil eine Initiation in einer Tradition oder einem Stammbaum oder durch eine bestimmte Person erfolgt, macht sie nicht schon in sich bedeutsam. Nehmen wir zwei Leute: die eine hier hat allein fĂŒr sich eine ganz besondere spirituelle Erfahrung gemacht, und die andere da drĂŒben hat alles brav gelernt, ist einer Gruppe beigetreten, und wurde von Menschen initiiert, die zu einer bestimmten Abstammung gehören – aber tatsĂ€chlich kann die Erfahrung der ersten Person wesentlich tief greifender und bedeutsamer gewesen sein.

Wie in all diesen Dingen geht es wieder einmal nicht um Äußerlichkeiten. Es geht um die Erfahrung an sich, und die kann niemand vorschreiben. Ich sage also nicht „Ja“ zu dem einen und „Nein“ zu dem anderen – ich sage Ja zu beidem.

Wenn Druidcraft sich zu einem neuen Weg entwickelt, so wie Wicca oder das Druidentum, was wĂŒrdest Du dir wĂŒnschen, wie es wird oder wie es nicht werden soll?

Was ich mir wĂŒnschen wĂŒrde ist, dass es nicht so formalisiert wird, so strukturiert und organisiert. Ich denke dass die Naturreligionen und die NaturspiritualitĂ€t an sich Wege sind, die uns zurĂŒck bringen zu den Grundlagen, zurĂŒck zu den dynamischen, elementaren KrĂ€ften in unserem Leben. Sie fĂŒhren uns weg von einer Art von vorgefertigter SpiritualitĂ€t die uns die organisierten Religionen anbieten, und hin zu einer SpiritualitĂ€t, die uns die Möglichkeit bietet, unseren eigenen Weg zu erschaffen. Ich glaube alle Religionen und Arten von SpiritualitĂ€t sind wie Starttriebwerke. Wenn eine Rakete abhebt, um ins All zu fliegen, dann braucht sie dazu ein Starttriebwerk, dessen Funktion es ist, diese Rakete oder diesen Satellit ins All zu bringen. Danach löst sie sich ab. Die Aufgabe jeder Organisation, jedes Systems oder Lehrers ist es also, sich abzulösen. Jetzt passiert es aber, dass die Menschen sich an diese Starthilfe klammern, statt sich weiter zu entwickeln. An einem bestimmten Punkt mĂŒssen wir loslassen. Daher kann Druidcraft, genau wie das Druidentum, Wicca oder die vielen anderen Systeme, ein Weg sein der es Leuten erlaubt, einen bestimmten Punkt zu erreichen, aber dann mĂŒssen sie loslassen.

Menschen denken oft, jeder Pfad wĂ€re einzigartig, deshalb sagen sie: „Oh, ich bin Wicca, ich bin Druide, ich bin Christ, ich bin Buddhist... „, aber wenn man sich diese Starthilfen einmal genauer anschaut sieht man, dass sie tatsĂ€chlich aus vielen verschiedenen StrĂ€ngen und EinflĂŒssen bestehen. Taoismus zum Beispiel ist eine Mischung aus Konfuzianismus und Buddhismus. Sikh ist eine bewusste Kombination von Islam und Hinduismus, das Christentum ist ein Patchwork von EinflĂŒssen aus Judentum und heidnischen Traditionen, wĂ€hrend das Druidentum selbst unter dem Einfluss vieler verschiedener Strömungen steht, beginnend in der vor-druidischen Zeit und in spĂ€teren Jahrhunderten durch die Freimaurer. Wicca ist Ă€hnlich beeinflusst. All diese EinflĂŒsse können zurĂŒckverfolgt werden und daher ist das Konzept von Druidcraft auch nichts anderes, nur dass die großen Ströme, aus denen es besteht, eben das Druidentum und Wicca sind. Manche Menschen werden sagen, so etwas kann man nicht absichtlich erschafften, es muss von alleine geschehen, aber der Sikhismus, der heute eine bedeutsame Religion ist, war eine absichtliche ZusammenfĂŒhrung aus Islam und Hinduismus. Dementsprechend ist Druidcraft eine absichtliche ZusammenfĂŒhrung von Druidentum und Wicca.


Was ist der Unterschied zwischen dem Kreis der Wicca und dem der Druiden?

Lass mich das mit der Frage ĂŒber die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede von Druidentum und Wicca kombinieren, denn die Unterschiede passen wirklich gut hinein auf diese Art. In Wicca ist PolaritĂ€t von großer Bedeutung: die Verehrung des Gottes und der Göttin, die Arbeit mit diesen PolaritĂ€ten der beiden, daher liegt der Schwerpunkt innerhalb des kreativen Prozesses in dem Moment der Schöpfung bzw. der Verschmelzung. Im „großen Ritus“ des dritten Grades geht es genau um diese beiden KrĂ€fte, und wie sie miteinander verschmelzen, um Leben und Energie in die Welt zu bringen. Im Druidentum liegt der Schwerpunkt an einem anderen Punkt, nĂ€mlich im Ergebnis. Es geht dabei um den Ausdruck der KreativitĂ€t in der Welt, weshalb das Druidentum auch so eine lange Geschichte der Kunst und Kultur mit sich fĂŒhrt, das ganze „Bardische“ eben. Daher passen die beiden sehr gut zusammen. Wicca steht fĂŒr die innere Arbeit mit den GegensĂ€tzen und deren Verschmelzung, wĂ€hrend das Druidentum eher die Ă€ußere Welt Arbeit ist, das nach außen weitergeben, die Geburt des aus eben dieser Verschmelzung entstandenen Kindes, in die Welt hinein, durch spirituelles Lehren, durch die Kunst, die Musik, die GesĂ€nge, und so weiter.

Das hilft uns dabei, zu verstehen, warum der Kreis anders ist. Im Druidentum steht der Kreis fĂŒr die Welt, es ist ein allumfassendes Abbild in der Form der Sonne, des Mondes und der Erde, und alle Geschöpfe sind eingeladen, an diesem Kreis teil zu nehmen. Wenn wir also in einem Druidenkreis zusammenkommen, erschaffen wir einen Mikrokosmos des Makrokosmos. Deshalb liebe ich ja auch solche Zeremonien wie die, die wir am Glastonbury Tor feiern, wo Kinder und Hunde und Touristen vorbeikommen und sie alle treten in den Kreis und wir fassen uns an den HĂ€nden – das ist ein GefĂŒhl von dazugehören. Im Druidenkreis haben wir einen Spruch, der heißt: „Der Kreis ist unser Horizont, unser Leben und unser Land”. In Wicca ist das mehr wie ein privater, geschlossener Raum, was natĂŒrlich ganz genau zu der Orientierung auf diesen Moment der Schöpfung, den kreativen Akt und die Kraft der PolaritĂ€ten passt. Wenn also das Druidentum das Wohnzimmer des Hauses ist, wo Freunde hinkommen zum essen und feiern, dann ist Wicca das Schlafzimmer. Und beide sind sie ein Teil des Hauses von Druidcraft.

Kannst du uns noch etwas mehr ĂŒber Deine zwei BĂŒcher zum Thema Druidcraft sagen?

Im Jahr 2001 schrieb ich ein Buch ĂŒber das Konzept von Druidcraft (es heißt, zur allgemeinen Überraschung, Druidcraft). Manche Menschen finden es toll (einige der Kommentare sind auf http://philipcarrgomm.druidry.org nachzulesen), aber andere wiederum mögen es ĂŒberhaupt nicht, weil sie ein „Handbuch“ oder eine detaillierte Anleitung erwarten. Ich wollte aber gerade keinen weiteren Ratgeber schreiben; Llewellyn (der amerikanische Verlag, Anm. d. Übers.) hat davon schon hunderte im Angebot und die meisten Leute wissen, wo sie diese Art von grundlegenden Informationen finden können – das meiste gibt es eh schon im Internet. Stattdessen wollte ich die Leute dazu motivieren, zu experimentieren, die verschiedenen Möglichkeiten auszuprobieren, wie diese beiden Strömungen miteinander kombiniert werden könnten. Um dem Buch eine Struktur zu geben fiel ich auf einen Vorschlag einer meiner amerikanischen Freunde zurĂŒck, der eines Tages sagte: “Warum schreibst Du kein Buch dass seine Struktur fĂŒr jedes Kapitel aus der Dreiteilung Barde, Ovade und Druide nimmt?” Die Idee hat mich begeistert und deshalb habe ich das ĂŒbernommen: jedes Kapitel beginnt mit einer Geschichte (“Die ErzĂ€hlung des Barden”), gefolgt von einem Kolloquium (einige magische Lektionen in Form eines Dialogs zwischen einem Novizen und einem Lehrer), danach einige praktische Überlegungen, wie z.B. ein Ritual (beides sehr praktische, typische Ovaden Dinge), und schließt mit einer historischen Abhandlung (wo der Druide in seiner Funktion als Lehrer einigen theoretischen und tatsĂ€chlichen Unterbau zum Material vorstellt). Eigentlich hatte ich das Buch ursprĂŒnglich als einen Roman gedacht, meine Vorstellung von einer Druidengemeinschaft an der KĂŒste von Cornwall, aber da ich noch nie einen Roman geschrieben hatte war die Handlung etwas dĂŒnn und meine Charakterisierung und Einsatz der Dialoge schwach, daher nahm ich das Manuskript und schrieb es um ein Sachbuch. Ich habe aber versucht, zumindest teilweise das „RomangefĂŒhl“ beizubehalten, in der Vision von Avronelle, einer meiner Vorstellung entsprungenen Schule fĂŒr Druidcraft.

Wie es der Zufall so wollte ergab sich fĂŒr mich einige Jahre spĂ€ter die Möglichkeit, die in diesem Buch heraufbeschworene fiktive Schule fĂŒr Druidcraft real zu erleben. „Avronelle, die wandernde Druidcraft-Schule“ fand statt in Neuseeland, wo wir ungefĂ€hr 20 Personen uns fĂŒnfmal im Jahr jeweils fĂŒr ein Wochenende trafen, immer zu Vollmond. Am Anfang war unser Treffpunkt eine Insel an der OstkĂŒste der Nordinsel, danach auf einem Berg an der WestkĂŒste (Taranaki), dann an einem Fluss im SĂŒden, und dann mitten in der Wildnis an der nördlichen KĂŒste. Das letzte Wochenende sah uns dann am herzförmigen See Taupo genau in der Mitte der Insel. Am vierten Wochenende durchliefen wir alle am Strand die Initiation, mit der das Buch anfĂ€ngt – mit dem Gesicht zum Mond, Slipper Island, und den Wellen des Pazifiks. Es war wirklich etwas ganz Besonderes.

Das Buch ist dazu gedacht, die Menschen dazu anzuhalten, quasi „fĂŒr sich selbst zu kochen“, also ihr Wissen und ihre Talente neu zusammenzustellen, auszuprobieren – und dabei Spaß zu haben, statt einem fertigen Weg zu folgen mit vielen fertigen Anleitungen. Deshalb endet das Buch ja auch mit: „Am Ende zĂ€hlt doch nur das: Es gibt Dich und das Meer. Dich und den Himmel. Dich und das Land. Hier und jetzt. Das alte Wissen ist nicht dazu gedacht, in einer Glasvitrine zur Schau gestellt zu werden. Es möchte angewandt und verĂ€ndert werden, möchte erweitert und verbessert werden. Es bleibt nur lebendig wenn wir es in die Hand nehmen, ein jeder von uns, und es auf unsere eigene Art verwenden, mit unseren eigenen Schöpfungen und Erkenntnissen ergĂ€nzen – um uns dabei zu helfen, ein Leben voll tiefer Bedeutung zu leben, voll Schönheit und Feierlichkeit, hier und jetzt – auf diesem Land, unter diesem Himmel, bei diesem Meer.“

Ein paar Jahre spĂ€ter fing ich an, zusammen mit Stephanie am DruidCraft Tarot zu arbeiten. Wir schrieben Craft groß um die Gleichwertigkeit von Wicca und Druidentum hervorzuheben – und wir wĂ€hlten DruidCraft statt Wiccary einfach weil es besser klang! Besonders schön war die Tatsache, dass Will Worthington in seinen Bildern eine ganze Welt erschuf, mit Personen, Kleidung und Möbeln die so real wirken und die ein so wunderbar behagliches GefĂŒhl vermitteln, genau so, wie sich meiner Meinung nach das GefĂŒhl dieser Alten Pfade anfĂŒhlt. Ich hoffe, dass es uns gelungen ist, in dem Buch und durch die Symbolik der Karten die Verbindung und die Synergien der beiden Strömungen - Wicca und Druidentum - zu zeigen, und wie wir sie erfolgreich miteinander verschlingen können.

(Siehe dazu: "The Druid Craft Tarot: Use the Magic of Wicca and Druidry to Guide Your Life" by Philip Carr-Gomm, Stephanie Carr-Gomm, Will Worthington)

Ungewöhnliche Fragen

Kennst Du die Theorie, dass die Welt und die Menschheit wie wir sie kennen im Jahre 2012 zum Ende kommt? Glaubst Du daran?

Ja, ich habe mich mit diesen 2012 Theorien beschĂ€ftigt, mit dem Kalender der Mayas und dem ganzen Rest, aber ich sehe da viele Probleme – Gelehrte und Experten sind sich ja auch nicht einig. Was ich glaube ist, dass die Welt so nicht bleiben kann wie sie ist. Wir wissen, dass die Tibetische Hochebene rasch weg schmilzt und dass die großen FlĂŒsse Asiens und auch der Ganges austrocknen werden. Wir wissen um den Klimawechsel und die Überbevölkerung, also kann die Welt wirklich so nicht fortbestehen. Wir kommen auf jeden Fall an das Ende eines Kapitels, und das Kapitel ist Teil eines Buches mit dem Titel „Die Geschichte der Menschheit“. Ich denke, wir nĂ€hern uns einer sehr spannenden Zeit des radikalen Wechsels, aber ich hoffe, dass wir einen positiven Weg durch diesen Wechsel hindurch nehmen werden.


Was stellst Du dir unter Erleuchtung vor?

FrĂŒher dachte ich, das sei ein Zustand, der erreicht werden kann. Seit ich 11 Jahre alt war und „Das Leben des Buddha“ gelesen hatte, wollte ich das, wollte ich das erreichen. Ich hatte es mir wie einen Berg oder eine Hochebene vorgestellt. Ich stellte mir vor, durch Meditation und spirituelle BemĂŒhungen den Gipfel dieses Berges zu erklimmen und dann, wenn ich oben angekommen war, wĂ€re ich erleuchtet und befĂ€nde mich in einem Zustand von ewig wĂ€hrendem GlĂŒck und Allwissen. Inzwischen aber habe ich eher das GefĂŒhl, dass Erleuchtung ein Prozess ist auf einem Weg, wĂ€hrend derer man immer wieder in ZustĂ€nde hinein-, aber auch wieder herauskommt, die man vielleicht als „erleuchtet sein“ bezeichnen könnte. Mit anderen Worten ZustĂ€nde, in denen dein Bewusstsein absolut klar ist, wo auch das FĂŒhlen vollkommen klar ist: das GefĂŒhl deines Körpers, das GefĂŒhl deines Energiefeldes, dein VerstĂ€ndnis – ein tief greifendes GefĂŒhl des Erkennens, des GlĂŒcks und der Verbindung mit allen Dingen.


Glaubst Du an ZufÀlle?

Ich glaube an SynchronizitĂ€t, sozusagen “magische ZufĂ€lle” also. Aber ich glaube auch an wahllose ZufĂ€lle. Ich denke mal dass jeder, der das wissenschaftliche Konzept von ZufĂ€lligkeit versteht, weiß, dass ZufĂ€lle stĂ€ndig passieren mĂŒssen, und dass wir manchmal einem Zufall Bedeutung zumessen, obwohl er eigentlich vollkommen wahllos war. Aber das mag auch seinen eigenen Wert haben. Ich habe Orakel und das Tarot schon viel zu oft benutzt um nicht zu erkennen, welche wirklich unglaublichen ZufĂ€lle es geben kann, und dass das Konzept der SynchronizitĂ€t eine unabdingbare Grundlage fĂŒr unser VerstĂ€ndnis ist.


Glaubst du an das Schicksal?

Ich denke es gibt Tendenzen, die uns in bestimmte Richtungen lenken. Im Buch „The Druid Mysteries (Die Mysterien der Druiden) gibt es dieses Modell genannt “Die KrĂ€fte des Kreises”. Wenn wir unser Leben betrachten sieht es so aus, als wĂŒrden wir von irgendwelchen KrĂ€ften in eine bestimmte Richtung getrieben – von eben diesen KrĂ€ften des Kreises - mit anderen Worten den EinflĂŒssen unserer Zeit, unserem Zeitgeist, unseren Ahnen, unserer Gemeinschaft, unserer Umwelt. Dies sind Strömungen die uns in eine bestimmte Richtung treiben. Und das kann man vorausberechnen, das heißt auf der Basis deiner genetischen Veranlagung und des aktuellen Zeitgeistes wird deine Zukunft wahrscheinlich so oder so aussehen. Gleichzeitig gibt es aber auch den Gedanken, dass es Impulse aus unseren vergangenen Leben sind, aus unserer Seele, die eine gewisse Bewegungsenergie und Richtung erzeugen. Letztlich mĂŒssen wir noch die Vorstellung des Awen integrieren, also der Idee dass etwas in unser Leben eindringt, das alle anderen Faktoren zur Seite wischt, die uns in diese oder jene Richtung treiben - durch Inspiration, durch das, was die Christen „Gnade“ und die Druiden „den Segen der Götter“ nennen.

Der klassische psychologische Ansatz wĂŒrde dazu sagen, es sind deine Erfahrungen in der Kindheit, und deine genetisch bedingten Veranlagungen, die dazu fĂŒhren, dass du dich so oder so verhĂ€ltst und das dein Leben so oder so sein wird. Aber dieses unser VerstĂ€ndnis erweitert das Bild um eine weitere Ebene, nĂ€mlich die des Awen, dieses Faktors, der in dein Leben eindringen und dein Schicksal komplett verĂ€ndern kann. Auch deshalb ist es ja so interessant, mit SpiritualitĂ€t zu arbeiten und mit einem Pfad, denn ich glaube, wenn wir einem spirituellen Pfad folgen, dann können wir tatsĂ€chlich unser eigenes Schicksal Ă€ndern.

Ich glaube, dass Du einen Menschen betrachten und dann sagen kannst: wenn dieser Mensch jetzt gar nichts macht, also ĂŒberhaupt nicht spirituell arbeitet, dann wird sein Weg ihn wahrscheinlich an jenen Ort fĂŒhren. Wenn er aber jetzt anfĂ€ngt, mit seiner SpiritualitĂ€t zu arbeiten, dann ist es möglich, dass sein Weg ihn an diesen Ort fĂŒhrt. Kurz gesagt: je weniger wir unserer selbst bewusst sind, desto festgelegter ist unser Leben.


Welchen Rat wĂŒrdest Du jemanden geben, der einen heidnischen Pfad wie das Druidentum einschlagen möchte?

Mein Rat wĂ€re, deinem BauchgefĂŒhl zu folgen. Das klingt immer zu einfach, weil es nĂ€mlich nicht wirklich einfach ist. Da kann viel Unsicherheit dabei sein. Aber um deine Intuition zu nutzen musst du dir erstmal deiner GefĂŒhle bewusst werden, z.B. wenn du ein Buch in die Hand nimmst, mit jemandem redest, oder zu einem Treffen gehst. Du musst auf deine GefĂŒhle achten. Das heißt aber nicht, dass du ihnen immer folgen sollst, denn manchmal machen uns Dinge auch Angst oder verunsichern uns, die gut fĂŒr uns wĂ€ren. Es ist immer eine gewisse Herausforderung – schließlich betrittst du Neuland. Es ist also weniger eine Frage des deinen GefĂŒhlen folgen als deine GefĂŒhle zu erkennen, im Sinne von: Aha, ich verstehe, das verstört mich jetzt ein bisschen, ich frage mich, warum?“ Erkenne es und mach dann weiter.

Gleichzeitig sollst Du natĂŒrlich auch Deinen Verstand einsetzen und genau unterscheiden. Nutz Deinen Intellekt und frage Dich: „Stimme ich damit wirklich ĂŒberein, gefĂ€llt mir das?“ und dergleichen. Du wirst manchen Ideen begegnen, die gar nicht zu Dir passen, aber das muss nicht heißen, dass du sie verneinst, du solltest sie einfach nur kennen. Wenn Du so an die Sache herangehst glaube ich, dass Du deinen Weg finden wirst.

Mehr als je zuvor in unserer Geschichte sind wir heutzutage mit Unmengen von Informationen versorgt. Nimm doch nur Wikipedia. Wenn Du dir einen Film anschaust wie “The Secret”, den ich jetzt gerade fĂŒr einen furchtbaren Film halte, aber du schaust ihn dir vielleicht an und findest darin GedankenanstĂ¶ĂŸe die wirklich interessant sind und die bei dir gut ankommen, aber es gibt auch andere Aspekte des Films die dich stören oder gar verstören. Dann schaust du nach bei Wikipedia und findest dort einen tollen Artikel ĂŒber den Film, mit Kritiken und einem ausgewogenen Blickpunkt. In der Beziehung haben wir richtig viel GlĂŒck heutzutage. Wir können zu Amazon gehen und die besten Rezensionen lesen – und auch die schlechtesten, was auch sehr interessant sein kann.

So wie ich das sehe sind alle, die erstmals ihren Fuß auf einen neuen Weg setzen, sehr sehr hungrig. Sie haben gerade erst erkannt was passiert, wenn man einen neuen Weg betritt, diese neue Welt entdeckt von deren Existenz man bisher nichts ahnte und dann ist es plötzlich alles da und man möchte am liebsten in alle Richtungen gleichzeitig loslaufen und sich einfach nur hineinwerfen bis ĂŒber beide Ohren. Dann muss man auch Geduld haben. Muss sich die Zeit nehmen, erstmal in Ruhe zu entdecken. Denn es ist wirklich ein Entdecken, und es gibt dort auch einige bissige Insekten, aber im Großen und Ganzen wird es gut gehen. NatĂŒrlich gibt es dort auch Fallen und du wirst vielleicht auch Zeit auf den falschen Wegen verschwenden, aber wenn Du immer deiner Nase nach deinem BauchgefĂŒhl folgst, wird es gut gehen.

Weitere Infos ĂŒber das Druidentum und speziell den OBOD und seinen Fernkurs findet ihr auf www.druidry.org, www.druiden.info, oder www.druidry.de, wo es auch ein deutsch-sprachiges Info-Forum gibt.

© 2008 by Philip Carr-Gomm, Interview gefĂŒhrt von Brianna, Übersetzung von MoonDancer

 Hinweis

Offizielle Veröffentlichung auf: www.druidry.org (deutsches Unterforum), www.druidry.de (Forum),
www.druidcraft.de, www.sternenkreis.de (Hex&Co), Pagan Federation, www.kulturgeister.de
 

zurĂŒck zu Interviews

nach oben