KultUrGeister
KultUrGeister
¬Ľ Home ¬Ľ Der Dachverband ¬Ľ Interviews ¬Ľ DW-World-Kultur

Der Dachverband - Interviews

Glaube in und mit der Natur

Sie umarmen Bäume und beten Blitz und Donner an. Die Druiden, Anhänger einer vor 2000 Jahren in Europa verbreiteten Naturreligion. Die meisten von ihnen leben in Großbritannien, aber es gibt sie auch in Deutschland.

Autor: Christina Beyert

 

Volkert Volkmann liebt es in der Natur zu sein. Deshalb zog der 55-Jährige auch weg von der Großstadt Frankfurt ins beschauliche, von Wäldern umgebene Bodenrod, im Bundesland Hessen. Der Druide mit den langen Haaren und den wachen Augen lebt den vorchristlichen Glauben aktiv. Er ist der Leiter der keltischen Glaubensbewegung in Deutschland.

Die Druiden lebten vor 2000 Jahren in Mitteleuropa und waren √ľberwiegend Priester, Magier und Hellseher. Nach der Christianisierung hatten sie es schwer ihren Glauben weiter auszuleben. In den letzten 200 Jahren jedoch erfreut sich die Bewegung wieder steigender Beliebtheit, vor allem in Gro√übritannien. Hier leben heute sch√§tzungsweise mehr als 10.000 Anh√§nger. Der heidnische Kult wurde im Herbst 2010 dort sogar offiziell als Religion anerkannt.

 

Ein Glaube der Freude


Volkert Volkmann

Volkert Volkmann ist Musiker, Heilpraktiker und Druide

Das möchte Volkert Volkmann auch in Deutschland erreichen. Der Musiker, Heilpraktiker und Meditationslehrer erhielt 1979 in Schottland seine naturreligiöse Weihe und die Erlaubnis sein Wissen als Lehrender weiterzugeben. "Das Druidentum ist eine der ältesten Religionen der Welt. Es gab sie vor dem Christentum und vor dem Islam. Es ist ein Glaube der Freude, wenn sich Menschen in der Natur treffen und gemeinsam tanzen, Bäume pflanzen, meditieren oder musizieren", sagt Volkmann.

Er selbst spielt bei den Ritualen oft die Harfe, ein Instrument, dass der m√ľndlichen √úberlieferung nach bei den Druiden eine gro√üe Bedeutung hatte. Keine heiligen Schriften stehen im Vordergrund bei dieser alten Religion, sondern nur die eigene Erfahrung. Druiden f√ľhlen sich mit allem verbunden, was lebt. "Wenn ich Mutter Erde achte, dann werde ich sie nicht mit F√ľssen treten und sie auch nicht vergiften, sondern auf ihr tanzen", das ist einer der Grunds√§tze von Volkert Volkmann. Er m√∂chte Menschen, vor allem Jugendliche, wieder zur√ľck f√ľhren zur Natur und sie lehren diese zu achten. So f√ľhrt er mit ihnen zum Beispiel Baumpflanzungen durch. Die Mitglieder der verschiedenen Naturreligionen werden seit zwei Jahren immer wieder als Referenten in den Religionsunterricht an Schulen eingeladen, um Sch√ľler √ľber die alten Religionen aufzukl√§ren.


Rituale in der Natur

Meist werden die verschiedenen Rituale der Naturgläubigen draußen veranstaltet. Auch die sogenannten Übergangsfeste. Die finden an wichtigen Punkten im Leben eines Menschens statt. Dazu zählt der Eintritt ins Erwachsenenalter, die Eheschließung, oder der Tod. Wenn die Naturgläubigen einmal nicht in der Natur sind, nutzen sie den sogenannten Nemeton, einen Kultraum, neben dem Haus von Volkert Volkmann. Darin befinden sich zahlreiche Gegenstände, die eine spirituelle Bedeutung haben. Darunter eine hölzerne Nachbildung eines Keltenkönigs, der bei Ausgrabungen in Hessen gefunden wurde. Hier sitzen Anhänger verschiedener Naturreligionen nach ihren rituellen Treffen beisammen, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam zu essen.


Der sogenannte Nemeton
ist ein Kultraum f√ľr Naturreligi√∂se

 


Sch√§tzungen zufolge gibt es im Rhein-Main-Raum cirka 500 Anh√§nger von Naturreiligionen. Nur wenige von ihnen, darunter sind Handwerker genauso wie Banker, Anw√§lte oder √Ąrzte, sind in Vereinen organisiert oder bekennen sich aus Angst vor Anfeindungen nicht √∂ffentlich zu ihrem Glauben. Naturgl√§ubige werden oft mit Sekten in Verbindung gebracht. Auch Volkert Volkmann ist in seinem Wohnort schon Anfeindungen ausgesetzt gewesen. Mittlerweile ist das aber Vergangenheit. "Wir teilen uns im Dorf jetzt gemeinsam mit den Christen einen Kultplatz", sagt der Vater von drei Kindern.

Im Verband organisiert


Andrea Groh

Andrea Groh vor der Statur eines Keltenf√ľrsten

Andrea Groh, ist eine der Mitbegr√ľnder des Dachverbands f√ľr traditionelle Naturreligion KultURgeister. In dem eingetragenen Verein sind einzelne Gruppen, wie zum Beispiel die Asatru, eine germanische Religion oder der Schamanenbund organisiert. "Es ist zwar nicht zwingend n√∂tig, sich zu organisieren, denn jeder nimmt selbst Kontakt zu dieser g√∂ttlichen Kraft auf. Das kann er auch als Eremit im Wald tun", sagt Andrea Groh. Allerdings wollen die Mitglieder der KultURgeister in der √Ėffentlichkeit "als seri√∂se Ansprechpartner und Berater zur Verf√ľgung stehen", sagt die Frau mit den langen lockigen Haaren weiter.


So waren die Mitglieder des Verbandes schon beratend t√§tig f√ľr das Germanische Museem in N√ľrnberg und f√ľr verschiedene TV-Produktionen. Zudem organisieren die KultURgeister seit zw√∂lf Jahren den sogenannten "Heidentag". Das ist eine gro√üe Veranstaltung, an der Anh√§nger verschiedener Religionsgruppen aus Deutschland und anderen L√§ndern der Welt teilnehmen.

Der Theologe Kai Funkschmidt von der Evangelischen Zentralstelle f√ľr Weltanschauung in Berlin hat sich eingehend mit Naturreligionen besch√§ftigt. "Viele Menschen fl√ľchten in diesen heidnischen Glauben, weil die heutige Welt immer komplexer wird und die Umweltzerst√∂rung zunimmt ", sagt er. "Da √ľber viele Inhalte dieser Religionen nur wenig bekannt ist, k√∂nnen die Anh√§nger hier all ihre Sehns√ľchte und W√ľnsche hinein interpretieren." Der Theologe sieht jedoch in den Naturreligionen keine Konkurrenz zu den drei Weltreligionen. Daf√ľr g√§be es zu wenige Anh√§nger und auch zu viele unterschiedliche Gruppen.

 Hinweis

Veröffentlicht unter dw-Onlineportal - 24.08.2012 - zum Artikel
 

zur√ľck zu Interviews

nach oben