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Aktionen und Projekte - Anti-Diskriminierungs-Aktion

Die entweihte Donar-Eiche zu Fritzlar

Ein Aufruf von Voenix fĂŒr Samstag, den 16.6.2012

Wie die meisten von Euch sicherlich wissen, soll in Fritzlar bis ins Jahre 724 eine uralte, dem Germanengott Donar geweihte, Eiche gestanden haben, die der ansĂ€ssigen Bevölkerung als sichtbares Heiligtum ihres alten Glaubens diente. Diese wurde dann in besagtem Jahr von dem Mönch Bonifatius gefĂ€llt, der aus ihrem Holz darauf angeblich die erste Kapelle gebaut haben soll, dem Grundstein fĂŒr den spĂ€teren Fritzlarer Dom.

AnlĂ€sslich ihrer offiziellen StadtgrĂŒndung vor 1275 Jahren, haben die Fritzlarer StadtvĂ€ter dieses JubilĂ€um im Jahre 1998 nun mit einem Kunstprojekt begangen, fĂŒr das am 05. Juni 1999 (dem Tag des Heiligen Bonifatius) eine Bronzeplastik auf dem Domplatz aufgestellt wurde. Diese zeigt den mit einer Axt bewaffneten Mönch, wie er auf einem abgehackten Baumstumpf steht, wĂ€hrend er in der anderen Hand ein Miniaturmodell des kĂŒnftigen Domes hĂ€lt. Da ich es als empörend und traurig zugleich empfinde, dass man es heute offensichtlich immer noch nötig hat, sich auf solche Weise mit solch einem Ereignis zu brĂŒsten, möchte ich gerne unter dem Motto: „Religiöse Toleranz“ alle Gleichgesinnten dazu aufrufen, sich mit mir und möglichst vielen anderen Heiden am Samstag, den 16.6 auf dem Domplatz des Ortes Fritzlar einzufinden. Ziel dieser Versammlung, zu der wir auch Vertreter der Presse einladen wollen, soll sein, die Öffentlichkeit fĂŒr unsere naturspirituelle Glaubensausrichtung ein wenig aufmerksamer zu machen. Weiter möchte ich vor Ort gerne eine Schweigeminute fĂŒr die zahlreichen Opfer vornehmen, welche durch die Kirche aufgrund ihres alten Glaubens gewaltsam umgekommen sind. Ebenso wollen wir symbolisch einen kleinen Eichensetzling vor dem Denkmal postieren und damit die „Welt“ wissen lassen, dass es sehr wohl noch Heiden in Deutschland gibt!

Danach kann, wer möchte, mit uns noch auf einen nahe gelegenen Grillplatz mitkommen, der vor Ort dann noch bekannt gegeben wird. Wer also Lust hat, mit mir an diesem Tag mal etwas Farbe zu bekennen, der ist herzlich eingeladen zu kommen.

Mehr Infos und vor allem die Uhrzeit zu dieser Aktion, findet Ihr auf meiner Seite unter diesem Link:

http://www.voenix.de/press/Die-entweihte-Donar-Eiche-zu-Fritzlar/20/index.html

Voenix
April 2012

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Naturreligion

Sehr geehrte Damen und Herren

Heute haben sich Menschen aus allen möglichen verschiedenen Natur-religiösen Strömungen (Wicca, Celtoi, Asatru) in Fritzlar getroffen, um dort am Denkmal des Bonifatius, fĂŒr religiöse Tolleranz einzutreten. Im Jahre 724 wurde von Bonifatius, Mönch der kath Kirche, als Zeichen der Überlegenheit des Christentums ĂŒber die alte, heimische Naturreligion, die heilige Donar-Eiche gefĂ€llt. Im Jahre 743 wurde auf der Synode von Liftinae die AusĂŒbung naturreligiöser Praktiken bei Todesstrafe verboten. 1487 erschien der Hexenhammer. Eine dunkle Zeit. Bis vor wenigen Jahrhunderten wurden Menschen verfolgt und nach der „peinlichen“ Befragung unter Folter auf den Scheiterhaufen brutal hingerichtet. Bis in die heutige Zeit hinein werden Menschen die naturreligiös sind verfolgt, als Spinner lĂ€cherlich gemacht oder als radikale Fanatiker, Sektierer und auch Nazis dargestellt. Ich weiss aus eigener Erfahrung von was ich hier spreche. Aus diesem Grund sind auch viele Personen heute nicht gekommen, die immer noch um Ihren Beruf oder Ihr Ansehen in der Öffentlichkeit fĂŒrchten mĂŒssen.

Fritzlar

 

Fritzlar

 

Fritzlar

Denjenigen die uns zahlreiche Grussbotschaften geschickt haben und die uns hier im gleichen Geiste und von ganzem Herzen unterstĂŒtzen, aber heute nicht bei uns sein können möchte ich an dieser Stelle herzlich danken. Ich freue mich aber besonders darĂŒber, das immer mehr Menschen auch in der Öffentlichkeit fĂŒr Ihren Glauben einstehen. Vielen Dank an Sie Alle dafĂŒr, das Sie persönlich gekommen sind um diese Aktionzu  unterstĂŒtzen!

Naturreligion ist die Ă€lteste Religionsform der Menschheit. Ihre Wurzeln reichen zurĂŒck bis zu den AnfĂ€ngen der Geschichte, als Menschen begannen die Rythmen der Jahreszeiten in gemeinsamen Festen und Ritualen aus zu drĂŒcken und die Besonderheiten des Lebens zu feiern (Übergangsrituale). Eines unserer wichtigsten Symbole ist der immergrĂŒne Lebensbaum. SpiritualitĂ€t heißt fĂŒr uns naturreligiöse Menschen, in erster Linie dem Wohl allen Seins verpflichtet zu sein. Es heißt in Liebe, achtsam, verantwortlich und tolerant zu handeln. Wir sind nicht getrennt von der Welt um uns herum.Wir möchten eine lebenswerte Zukunft fĂŒr uns und unsere Kinder in Einklang und Achtsamkeit mit der Natur erreichen. Wir möchten dazu beitragen, das das VerstĂ€ndnis dafĂŒr wĂ€chst, das UnterdrĂŒckung, Gewalt und Kriege keine Mittel zur Lösung der globalen und gesellschaftlichen Probleme unseres Planeten sind.

Auf einer grossen Veranstaltung ĂŒber alternative Religionsformen kam einst ein alter Indianer zu mir. Er lĂ€chelte mich an und sagte das er glĂŒcklich ist, das in unserem Land die Menschen wieder gekehrt sind, die die Sprache der Mutter Erde und Ihrer Kinder verstehen.

Wir alle, sind diese Menschen, die zurĂŒck gekehrt sind, um den alten und weisen Menschen die vor uns gegangen sind erneut eine Stimme zu geben. Wir sind die Bewahrer des alten Wissens, Wir alle sind eine Familie , ein Kreis der Kraft und wir verbinden uns hier und heute im Geiste mit unseren Schwestern und BrĂŒdern aller Nationen. Aus diesem Grund möchten wir die Aufmerksamkeit heute auf diesen Platz lenken. Viele der gewalttĂ€tigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Religionsfreiheit werden heute wie damals immer noch ĂŒberall auf der Welt stillschweigend hin genommen.

Dagegen wollen wir heute gemeinsam ein Zeichen setzen. FĂŒr ein menschliches Zusammenleben in Frieden, Freiheit und Toleranz und „Pro Naturreligion“
 

Wir bitten um Frieden, denn nichts kann ohne Frieden sein

Und in dem Frieden um Weisheit

Und in der Weisheit um Klarheit

Und in der Klarheit um Gerechtigkeit

Und in der Gerechtigkeit die Liebe zu allem

Das uns lebendig und glĂŒcklich und frei macht

Und in der Liebe die Liebe zu unseren Göttinnen und Göttern

So schliesst sich der alte Kreis.

Erkenne Dich selbst

Finde das rechte Mass

Tu was Du willst solange es keinem schadet.

Stimmen

Von den vielen GrĂŒĂŸen und guten WĂŒnschen möchten wir an dieser Stelle nur einige wenige veröffentlichen.Die Namen der Verfasser sind uns bekannt. Allen die sich hier schon im Vorfeld betĂ€tigt haben um diese Veranstaltung zu ermöglichen herzlichen Dank ! Es sind immer die vielen kleinen HĂ€nde die grosse Dinge bewirken.

Da ich leider nicht kommen kann,werde ich ein Gebet sprechen u.die Heilige Pfeife rauchen zu Ehren derer,die das Recht unserer alten, weisen Religion mit dem Herzen bei sich tragen LG

Liebe KultURgeister
vielen Dank fĂŒr die Einladung. Als MĂŒnchnerin schaffe ich es leider nicht bis zu Euch rauf, aber ich bin von Herzen froh und werde in Gedanken dabei sein.
Mit herzlichen GrĂŒĂŸen

Hallo
Wir können leider nicht- unterstĂŒtzen euch aber mit all unserer Energie!
Eine richtig gute Sache!!!
Liebe GrĂŒĂŸe

Lieber Volkert
Eine klasse Aktion. Macht weiter so und lasst Euch nicht runterkriegen.
Alles Gute

Gute Aktion!
Kirche und Medien tollerieren fast jede fremde Religion, aber wenn sich jemand zum alten Glauben dieses Landes und seiner Leute bekennt, dann wird gewitzelt und subtil gemobbt!
Die Doppelmoral schreit zum Himmel angesichts von Denkmalpflege zugunsten eines Heiligtum-SchÀnders.

Ich glaube nicht, dass die Stadt Fritzlar oder der KĂŒnstler absichtlich naturreligiöse Menschen verletzten wollten.

Die wenigsten Menschen wissen ĂŒberhaupt das es uns gibt. Folglich kommt man gar nicht auf die Idee ein 1999 aufgestelltes Denkmal, dass die Zerstörung einer heiligen Eiche zeigt, jemanden verletzten könnte. Man weiß auch gar nichts von den Menschen, die eine moderne Wiederbelebung dieser frĂŒheren Religionen leben. Deshalb ist es wichtig zu zeigen wer wir sind und das es uns gibt. Dies war mein persönlicher Grund teilzunehmen. Auch ich fĂŒrchte um meine "SeriositĂ€t" im Job. Und genau das ist das Traurige: Menschen einer Minderheitsreligion die nicht fĂŒr Extremismus bekannt ist, mĂŒssen um ihre Jobs und SeriositĂ€t fĂŒrchten, wenn ihre Religion bekannt wird. DAS sollte es eigentlich nicht mehr geben. Doch weil "wir" (oder einige von uns) Angst haben, zeigen wir uns nicht und die Leute wissen nicht dass es uns gibt -wie soll man eine Religion respektieren, von deren Existenz man nichts weiß und deren religiöse Gepflogenheiten völlig unbekannt sind?

Ich habe mich bewusst fĂŒr Alltagskleidung entschieden, weil ich zeigen wollte, dass wir "normale" Menschen sind (wie andere Religionen auch ein Querschnitt durch die Schichten und Einstellungen)....

Nur zur AufklĂ€rung: wir waren amtliche (also von der Polizeit gezĂ€hlt) 110 Teilnehmer, keine "rund 80", die Schweigeminute wurde nicht von den Glocken, sondern einer Autoalarmanlage begleitet (nicht mal gestört), die Glocken lĂ€uteten ein paarmal an recht passenden Stellen, als unterstichen sie die Reden. Zwischen Vönix' TrĂ€nen und seinem Ausruf lag eine ganze Rede und die Schweigeminute war nicht fĂŒr die Eiche, sondern fĂŒr die Opfer der Kirche! 
Im Übrigen wurde der KĂŒnstler, der sie Statue gebaut hatte, eingeladen, er konnte nicht kommen, der Pfarrer von Fritzlar wurde eingeladen und konnte nicht und der Vorsitzende des Kulturvereins hatte wohl leider nicht den Mut, sich den Menschen zu erkennen zu geben und ihnen das zu sagen, was er dem "Journalisten" mitteilte. Sehr schade! Aber immerhin hieß es von der katholischen Kirche, sie wĂ€re zumindest zu einem Dialog bereit, wenn sie schon nicht den Eichensetzling als Symbol fĂŒr die Handreichung annehmen wollte. Tja, zumindest einige der Christen waren dabei und setzten sich ebenso fĂŒr mehr Toleranz zwischen den Religionen ein! 

So wie ich mich erinnere hat die Domuhr (die optisch auch noch wie als symbolische BestĂ€tigung um 10 vor 4 stehengeblieben war) wĂ€hrend der Stunde mehrmals gelĂ€utet. Von einer gestörten Schweigeminute weiß ich nicht, wohl aber kamen die einzelnen SchlĂ€ge oft wie in die AblĂ€ufe eingestimmt, einschließlich des GlockenlĂ€utens das eine wunderschöne Begleitung der musikalischen Einlage von Volkert (nicht: Volker!) dargestellt hat. Kann man auch alles in den Videoaufnahmen nachempfinden. Ich habe selten eine grĂ¶ĂŸere Harmonie zwischen religiösen Gruppen und christlichen GotteshĂ€usern erlebt. Da können sich die dafĂŒr ZustĂ€ndigen ruhig eine Scheibe von abschneiden

Das Denkmal stellt doch in sich Intoleranz dar, warum sollten wir, die wir tolerant sind nicht gegen Intoleranz protestieren dĂŒrfen?

Wir sind der Meinung, dass die Tat von Bonifatius allenfalls denkwĂŒrdig, aber keinesfalls denkmalwĂŒrdig ist.
In diesem Sinne fordern wir alle Mitmenschen zum ernsthaften Nachdenken auf.

Es war eine sehr schöne und unseres Erachtens nach sehr fruchtbare und wichtige Versammlung. Man mag jetzt Diskussionen ĂŒber das allgemeine Anerkennen und Ernstnehmen des Heidentums fĂŒhren. Nichtsdestotrotz ist die Veranstaltung in Fritzlar am 16.06.2012 zwar ein kleiner, aber wichtiger Schritt gewesen.
Wichtiger war vor allem das Erzeugen und Erleben eines tiefen inneren Friedens und einer SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der Heiden aller Couleur auftraten. Was Kleidung und Brauchtum betrifft kennzeichneten sie sich als Vertreter verschiedener Traditionen, die ihren eigenen persönlichen Wahrheiten folgen. Und doch zeigten alle gleichermassen friedlich und eintrĂ€chtig Flagge. Dabei wurde Toleranz und Gelassenheit gelebt und zum Ausdruck gebracht. Wenn alleine dieses GefĂŒhl, dieser tiefe innere Frieden, der unsere StĂ€rke sein sollte, in das weitere Zusammenleben der Heidenschaft, der Gemeinschaften und Vereine getragen werden kann, war diese Treffen ein sehr großer Erfolg.

Lasst uns kĂŒnftig hĂ€ufiger streiten. Nicht gegeneinander, sondern miteinander. FĂŒr mehr Toleranz und Respekt. Das ist das Mindeste, was wir unseren Ahnen schuldig sind. Wir danken Dir fĂŒr Deine Idee, Deine Initiative, das Engagement, die Organisation und die schöne Rede. Ebenfalls wollen wir hier unseren Dank bekunden: Christian fĂŒr seine Hilfe bei der Organisation und seiner Ansprache, den KultUrgeistern fĂŒr das schöne und wĂŒrdige Ritual, den Barden vom OBOD fĂŒr die musikalische Begleitung und Wodans Erben e.V. fĂŒr die Organisation des Platzes und das wĂŒrdige Pflanzritual. DarĂŒber hinaus allen, die sich in Fritzlar eingefunden haben und auch denen, die gute WĂŒnsche mit auf den Weg gaben.
Wir geben hiermit die fĂŒr uns heilige und verbindliche Zusage, dass fĂŒr solche und Ă€hnliche Aktionen kĂŒnftig mit unserer aktiven Mithilfe gerechnet werden kann. Wir sind gerne bereit, einen Teil der nicht unerheblichen Arbeiten, die mit solchen Veranstaltungen verbunden sind, mitzutragen.


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Presseartikel und Linkhinweise

Artikel aus dem Homburger Anzeiger
“In Odins Namen – Naturreligionen erobern den Domplatz”

Von Dr. Sven Hilbert

Fritzlar

Heidenspaß:
Im Ringelreihen um das Boni-Denkmal.

 

Fritzlar

Heidnisches auf dem Domplatz: Thomas Vömel alias Voenix (l) und Volkert Volkmann.

Fritzlar. Alle verwĂŒnschten den Feind ihrer Götter, waren bereit, ĂŒber ihn herzufallen, verharrten aber noch, ob sich Donar nicht selbst helfen und seinen VerĂ€chter mit Feuer verzehren wĂŒrde, als plötzlich der ungeheure Baum von den Hieben des Heiligen zusammenstĂŒrzte. So in etwa stellen sich die Geschichtsschreiber seit undenklichen Zeiten die FĂ€llung der Donareiche durch Bonifatius 723 vor.

Keltische AnhÀnger gegen Zwangschristialisierung

1289 Jahre spĂ€ter rumort es wieder vom hohen Olymp herab und die lĂ€ngst totgeglaubten Götter scheinen lebendiger denn je. Rund 100 AnhĂ€nger germanisch-keltischer Naturreligionen, viele davon mit grĂŒnen KrĂ€nzen in den Haaren, umringten jetzt das Bonifatiusdenkmal auf dem Domplatz, um ein Zeichen fĂŒr religiöse Toleranz zu setzten.
Denn fĂŒr sie ist das Standbild, vor dem jeder StadtfĂŒhrer den Touristen die Geschichte von Fritzlars GrĂŒndung erzĂ€hlt, nur ein Symbol fĂŒr die „Zwangs-Christianisierung des deutschen Volkes“, wie es in einer Pressemitteilung hieß.

,Wir Heiden leben noch’

„Es ist traurig und eine Schande, dass man es heute noch nötig hat, sich mit so einem Denkmal zu brĂŒsten“, empörte sich Thomas Vömel, der ansonsten unter dem Namen „Voenix“ bekannt ist.

Als Initiator des heidnischen Spektakels rief der KĂŒnstler außerdem den versammelten Kulturgeistern zu: „Es ist dringend an der Zeit, dass die alten Götter wieder ihren Platz bekommen und dass die Menschen wissen, dass wir noch nicht tot sind. Wir Heiden leben noch!“ Und das ließen sich die Totgeglaubten auch nicht zwei Mal sagen, denn der Heidenspaß wurde nicht nur von HarfenklĂ€ngen und Baumgebeten, sondern auch von einem Tanz rund um das Denkmal umrahmt.
Auch wenn sie dem Fritzlarer Lokalstolz mit der grĂŒnen Keule zu Leibe rĂŒckten, so taten es die Versammelten doch auf friedliche Art und Weise. Seit der FĂ€llung der Donareiche hat die Domstadt ein solches Ereignis wohl nicht mehr gesehen.

 

Artikel des Kulturvereins Fritzlar

Vertreter von Naturreligionen protestieren gegen Bonifatius-Denkmal

von Maja YĂŒce

Fritzlar. Sie tragen Zweige mit grĂŒnen BlĂ€ttern als Kopfschmuck und wallende GewĂ€nder oder UmhĂ€nge. Viele der Frauen haben ihre Gesichter mit BlĂ€ttern oder Ranken bemalt.

Manch einer von ihnen sieht aus, als kĂ€me er direkt aus einem Fantasy-Film oder von einem Mittelaltermarkt. Andere tragen Jeans, Jacke, Turnschuhe - Straßenkleidung. Oder schwarz und Glatze. Doch eines eint sie: Sie fĂŒhlen sich verletzt - von einer Statue. Genauer: Vom Bonifatius-Denkmal auf dem Fritzlarer Domplatz.Sie, das sind rund 100 Vertreter von Naturreligionen. Sie protestierten gegen das Denkmal und fĂŒr die Toleranz gegenĂŒber allen Religionen. Das Gegenteil reprĂ€sentiere fĂŒr sie das Bonifatius-Denkmal. KĂŒnstlerisch sei es zwar sehr ansprechend, doch das Motiv sei ein Skandal.  

Das Denkmal zeigt den Mönch Bonifatius auf dem Stumpf der einstigen Donar-Eiche stehend, die von ihm im Jahre 724 mit einer Axt gefĂ€llt wurde. „Das ist ein gewaltsamer Akt, der die Zwangs-Christianisierung der Deutschen darstellt“, sagt Voenix, der eigentlich Thomas Vömel heißt.Der 1,95-Meter Mann mit Irokesenschnitt, tiefer Stimme und festem, etwas zu langem HĂ€ndedruck betont, dass das die GefĂŒhle Naturreligiöser verletze. „Das ist fĂŒr uns so, als wĂŒrde man am Little Bighorn ein Denkmal fĂŒr General Custer aufstellen“, sagt Voenix. Er hatte zu der Demonstration aufgerufen, um auf sich aufmerksam zu machen. „Wir sind keine einzelnen Spinner“, sagt er.

Gekommen waren die AnhĂ€nger aus ganz Deutschland. Eigentlich seien sie noch viel mehr, doch hĂ€tten sich viele von ihnen nicht getraut, nach Fritzlar zu kommen. „Weil sie Nachteile befĂŒrchten, wenn sie öffentlich zu ihrem Glauben stehen“, sagt Volker Volkmann. Er verstehe das, denn er habe seine Arbeit bei der Volkshochschule verloren, nachdem er sich öffentlich dazu bekannt habe, einer Naturreligion anzugehören, sagte er. „Mich wollte man mit Mitgabeln aus dem Ort treiben.“

Gesicht zeigen in Fritzlar auch Manuela Scheußner aus Ostfriesland, Kerstin Böhm aus Lehrte und Sina (möchte ihren Namen nicht nennen) aus Marsberg. „Uns Heiden gibt es noch“, sagen sie und halten ein Plakat mit einem Zitat von Alexander von Humboldt in den HĂ€nden. „Habt Ehrfurcht vor dem Baum“, steht darauf. Heiden seien die BĂ€ume besonders wichtig, erklĂ€ren sie. Das Bonifatius-Denkmal verletze auch ihre GefĂŒhle. „Wir wollen zeigen, dass es uns Heiden noch gibt“, sagt Scheußner.

Und dann sagen die Frauen, dass es sie Ă€rgert, dass sie oft in die rechte Ecke gesteckt und deshalb nicht wirklich gehört wĂŒrden. „Dagegen verwahren wir uns. Wir sind tolerant“ Das sagt auch Voenix noch schnell, kurz bevor er seine Rede vor der Menge hĂ€lt. Dazu gibt es HarfenklĂ€nge, und zwei Frauen gehen mit RĂ€ucherwerk durch den Menschenkreis, der sich um die Skulptur aufgestellt hat. Erst weint Voenix, dann schreit er laut auf: „Wir Heiden, wir leben noch, wir sind noch da.“ DafĂŒr gibt es Applaus.

Unter den Zuhörern ist auch Dr. Ulrich Skubella. Der Vorsitzende des Fritzlarer Kulturvereins klatscht nicht. Er hört zu. Skubella ist einer der Initiatoren, die sich einst fĂŒr das Denkmal stark machten. „Ich war neugierig, was heute hier passiert“, sagt er.

Froh sei er, dass es eine friedliche Demonstration sei. Bonifatius sei schließlich der StadtgrĂŒnder Fritzlars. „Durch ihn ist hier viel entstanden“, so Skubella (siehe Hintergrund). Verletzen wollte man aber niemanden mit dem Denkmal. Auf ihn wirke die Demo eher wie eine Selbstinzenierung, sagt Skubella.Fast wie eine Reaktion des Doms auf das ungewöhnliche Treiben vor seinen Toren wirkte es dann auch, als die Glocken in einer Redepause von Voenix mit ihrem eindringlichen LĂ€uten störten.Das sagt Ubbo Enninga Das Bonifatius-Denkmal sei im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal, so Ubbo Enninga, der die Skulptur geschaffen hat. Es war und sei nicht seine Absicht, andere Menschen damit zu verletzen, schreibt Ubbo Enninga an den Initiator der Demonstration in Fritzlar, Thomas Vömel.

Das Denkmal sei beschreibender Natur: die FĂ€llung der Donareiche durch Bonifatius und die Errichtung der ersten Kapelle. Das Christentum als eine spirituelle Tatsache - „Liebe deinen nĂ€chsten wie dich selbst!“

„FĂŒr mich wird damit der Götterhimmel unserer Altvorderen in keinster Weise angetastet, und was Kirchen unter dem Banner dieser Idee ĂŒber die Jahrhunderte verbrochen haben, hat mit dem Missbrauch der Macht zu tun, nicht mit Liebe“, so Ubbo Enninga weiter.

Zudem sei Bonifatius, der den Chatten das Heiligtum raubte, von Friesen 754 gewaltsam ins Jenseits befördert worden, und 1245 Jahre spÀter errichtete ein Chatte mit friesischen Wurzeln das Bonifatius-Denkmal.

Die Idee, eine Eiche auf dem Domplatz zu pflanzen, findet Enninga sehr begrĂŒĂŸenswert. „Um ein solches Projekt zum Erfolg zu fĂŒhren, sollten die Menschen Fritzlars zuvor mit einbezogen werden“, regt er an.

Hintergrund Der Heilige Bonifatius hatte im Jahre 724 eine dem Germanengott Donar geweihte Eiche gefÀllt und aus dem Holz des Baumes eine kleine Kirche bauen lassen, wahrscheinlich an dem Ort, an dem heute der Fritzlarer Dom steht. Um die Kirche herum entstand ein Benediktiner-Kloster, die Keimzelle der spÀteren Stadt Fritzlar.

Aus Anlass des 1275. Geburtstags der Stadt beauftragte der Kulturverein Fritzlar den Stuttgarter Bildhauer Ubbo Enninga, eine Bronzeplastik zu schaffen, die 1999 - dem Tag des Heiligen Bonifatius - auf dem Domplatz aufgestellt wurde.

Quelle: Kulturverein Fritzlar - veröffentlicht unter hna.de (Hessisch-NiedersÀchsische-Allgemeine)

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